Dipl.-Arb. Kapitel 12 – Ausblick

 

 

Denn wer sich selbst kennt, der weiß, was für ihn nützlich ist,
und vermag zu unterscheiden, was er kann und was nicht.
Wer das betreibt, was er versteht, der erwirbt sich, was er benötigt, und es geht ihm gut; andererseits hält er sich von dem fern, was er nicht versteht, und so begeht er keine Fehler und bleibt vor Unheil bewahrt.
Xenophon – Erinnerungen an Sokrates

 

Meist besteht in traumatisierten Menschen ein sehr starker Drang, verlorene oder isolierte Fragmente des Traumas zu einer Geschichte, zu einem stimmigen Bild zusammenzufügen. Diese mit Sinn oder Bedeutung zu verbinden und in die persönliche Biografie zu integrieren. Gekoppelt mit dem tiefen Wunsch, dass starke oder belastende Emotionen oder körperliche Reaktionen abnehmen. Aufgrund meiner umfangreichen persönlichen traumatischen Erfahrungen und deren Aufarbeitung kann ich diesen Drang und Wunsch sehr gut nachvollziehen.

Ich empfinde die Neurographik im therapeutischen Kontext nicht als Einzelbilderfahrung nach dem Motto: Wir malen mal schnell ein Model, sondern als prozessorientierte Methode, die Einzelbilder zu einem größeren Ganzen verbindet. Die Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse, Fähigkeiten, Stärken und Ressourcen in der Lebensgeschichte, ähnlich einer Landkarte mit erinnerten Lebensräumen verortet in der ganzen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Aspekten der Persönlichkeit. Diese ureigene Landkarte eines Selbstbildes mit Menschen zu erstellen, sie durch die Prozesse des „Sich-seiner-Selbst-bewusst-Werden“ zu begleiten, dazu fühle ich mich berufen. Schließlich darf ich mich entscheiden, was wichtiger ist: „Masse statt Klasse“ oder Qualität vor Quantität.

Somit zielt das neurographische Zeichnen sowohl auf eigene Identitätsklärung und Selbsterkenntnis ab als auch auf eine innere Stabilisierung sowie das Gewinnen von Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Letztendlich geht es mir darum, dass der Zeichnende die Freude am eigenen ICH entdeckt und seine Lebensgeschichte ins rechte Licht rückt. Wohl wissend, dass es bedrückende Einflüsse und Krisen gab, sich aber seiner Ressourcen bewusst wird und diese artgerecht für sich im JETZT erlebt.

Für mich persönlich ist die Neurographik ein lieb gewordenes kreatives Instrument, mit dem ich mich ausdrücke und mit Hingabe zentrieren kann. Ich genieße die stille Zeit des Zeichnens, um ganz tief mit mir verbunden zu sein. Ich lausche dem inneren Dialog zweier Welten, die zeitgleich in mir aktiv sind. Je nach Tagesform und Herausforderung bewege ich mich wie eine Seiltänzerin zwischen diesen Welten und suche die Balance in den alltäglichen Herausforderungen meines Lebens.

 

Auf der Landkarte des Lebens ist jeder Mensch eine Insel.
Unbekannt

 

Wer sagt, dass er seinen Weg kennt,
hat vergessen, dass die Landkarte des Lebens jeden Tag neu geschrieben wird.
Damaris Wieser


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